Chancen des Dienstes

Foto: Winfried Eberhardt

Prädikantinnen und Lektoren bringen ein deutliches inhaltliches Interesse an biblischen Texten und theologischen Fragestellungen in das Gespräch in der Gemeinde ein. Sie sind als Amateure in ihrem ehrenamtlichen Dienst hungrig nach Austausch, Begleitung, Unterstützung, Korrektur durch Pastorinnen und Pastoren sowie durch ehrenamtliche Gemeindeglieder, die im gleichen Dienst stehen. Bibelkundliche Fragen, seelsorgliche Fragen, hermeneutische Fragen wollen geklärt werden. Hier sind Pastorinnen und Pastoren im Blick auf ihre Profession gefragt.

Vielleicht trifft auf Lektorinnen und Prädikanten der Begriff des »Interlokutors« zu, den Dorothee Sölle aufgreift. Sölle sagt: »Eine richtige Theologie braucht Dazwischenredner, Dazwischenfrager, also quengelnde Weiber, Witwen, andere Ungebildete, die Fragen stellen. Ohne auf den Interlokutor zu hören oder sich Klarheit darüber zu verschaffen, wer eigentlich mein Interlokutor ist, möchte ich Theologie nicht mehr treiben«. Soweit Dorothee Sölle. Lektoren und Prädikantinnen als Interlokutoren! Als Dazwischenfragerinnen und –frager in unseren Gemeinden! Als wache Zeitgenossen und interessierte Bibelleser, als Gottesdienstfeiernde und liturgisch Interessierte.

Eine Mär ist, dass Lektorinnen und Prädikanten über mehr Lebens- und Alltagserfahrung verfügten als Theologinnen und Theologen. Sie machen andere. Ein »Mehrwert« an Lebens- und Alltagserfahrung auf der einen oder anderen Seite aufzuweisen, erscheinnt nicht plausibel. Das Unverwechselbare bei Prädikantinnen und Lektoren ist wie bei jedem Menschen die eigene Biografie, der persönliche Lebenskontext, die Begabungen, die beruflichen Erfahrungen, die Art, als Zeuge einzustehen für den Glauben an den dreieinigen Gott.