Lektorendienst

Die Bedeutung des Lektorenamts

Unter den im Evangelischen Gottesdienstbuch (EGb) genannten »maßgeblichen Kriterien« für das Verstehen und Gestalten des Gottesdienstes heißt es zum Auftakt: »Der Gottesdienst wird unter Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert. Die Reformation hat das Priestertum aller Getauften neu zur Geltung gebracht …« In Konsequenz der theologischen Einsicht, dass alle Christen »durch die Taufe zu Priestern geweiht« sind (Martin Luther. An den christlichen Adel deutscher Nation, 1520), wird die Existenz eines eigenen Klerikerstandes verworfen und der Gegensatz zwischen Klerus und Laien für obsolet erklärt. (Barmen IV hat dies in der zeitgeschichtlichen Herausforderung noch einmal aktualisiert.) Der Dienst der Verkündigung ist nach reformatorischem Verständnis der (ganzen) Gemeinde anvertraut. Er ist konstitutiv für die Kirche.

Lektorinnen und Lektoren haben teil an diesem Dienst und gehören insofern der Dienstgemeinschaft derer an, die verkündigen. Erkennt man die Beauftragung als ordnungsgemäße Berufung (nach CA XIV) an, tritt man für eine differenzierte Dienstgemeinschaft von gemeinsam in unterschiedlicher Weise an der öffentlichen Verkündigung Mitwirkender ein.

Das Predigtamt ist nach CA V prinzipiell auch Ehrenamtlichen zugänglich, die kein Theologiestudium absolviert haben. Lektorinnen und Lektoren, die gezielt ausgebildet, mit Bedacht beauftragt und unter Handauflegung und Segen eingeführt sind, nehmen dieses öffentliche Amt wahr. Sie gestalten und leiten Gottesdienste. Im Blick auf die Predigt orientieren sie sich an einer so genannten »Lesepredigt« und machen sie sich zu Eigen.

Lektorinnen und Lektoren ergreifen im Gottesdienst aus dem Kontext und den Erfahrungen ihrer Lebenswelt heraus das Wort, stehen als Nichttheologen ein für den Glauben an den dreieinigen Gott, erweisen sich als sprachfähige Zeugen, die in der Lage sind, Glauben und Leben zu reflektieren. Die Vielfalt der Begabungen der Gemeinde findet im Gottesdienst u.a. mit der Wahrnehmung des Lektorendienstes durch ehrenamtlich engagierte Gemeindeglieder ihren Niederschlag, ja, der Gottesdienst als solcher gewinnt dadurch im Sinne des oben genannten Kriteriums an Kontur.