Kirchenmusik

Was ich mir als Kirchenmusikerin von Lektorinnen und Prädikanten wünsche

Foto: Winfried Eberhardt 

Wenn »Singen und Sagen« zwei Seiten einer Aufgabe sind, nämlich das Evangelium zu verkünden, d.h. im weiteren Sinne: den Gottesdienst zu gestalten, dann sehe ich die Zusammengehörigkeit und die Zusammenarbeit von »Verkündigern« und »Kirchenmusikern« darin vorgezeichnet. Wenn ich gefragt werde, was ich mir in dieser Zusammenarbeit wünsche, so kommt mir das Folgende in den Sinn: Dass sich in der Lektoren- und Prädikantenausbildung Menschen verschiedener Altersgruppen auf den Weg nach Spiritualität machen und nach geistlicher Auseinandersetzung und Fortbildung suchen, beeindruckt mich zutiefst. Sie setzen sich je für sich und im Blick auf die Weitergabe an andere mit der Schrift und deren vielen Auslegungsmöglichkeiten auseinander und stellen sich auch noch den Fragen der Vermittlung des gottesdienstlichen Ablaufes bis hin zum solistischen Singen ganz allein im Kirchenraum. Davor habe ich große Achtung.

Im Frühjahr 2008 habe ich an einem Kurs mit einer Gruppe von engagierten angehenden Lektorinnen und Lektoren teilgenommen und konnte den heiklen und oft schwierigen Teil des liturgischen »Alleine-Singens« innerhalb dieses Seminars unterstützen und dessen Wert verdeutlichen. Berührt haben mich dabei besonders die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Liturgie des Gottesdienstes und ihren Abläufen, verbunden mit geäußerten Ängsten beim Singen, Sprechen
und oft auch beim »Alleine-Stehen« vor der Gemeinde.

Im Blick auf die Ästhetik der Wortvermittlung – das angemessene Vortragen und Strukturieren eines Textes – sollte aus meiner Sicht insgesamt mehr Zeit investiert werden. In Ausbildung und Gemeinden erscheint es mir manchmal so, als wollte man ständig mit stumpf geschliffenen Messern geniale Gerichte auf einer defekten Herdplatte zubereiten und servieren. Dabei soll das Endprodukt auch noch alle überzeugen. Das geht erfahrungsgemäß leider schief.
Was ich mir für die Zusammenarbeit in der Vorbereitung auf
Gottesdienste wünsche: 

  • Gemeinsame Vorbereitung aller(!) am Gottesdienst Beteiligten (KüsterIn, LeserInnen, Kollekte-SammlerInnen, KirchenmusikerInnen)
  • Mut zu Fragen, vor allem bei der Liedauswahl; Beratungsmut bei erfahrenen Kirchenmusikern
  • Vorbereitung auf alle Wort- und Sing-Beiträge durch Sich-Einsprechen und Sich-Einsingen vor(!) den anderen der Vorbereitungsgruppe sich in die verschiedenen Gegebenheiten der Kirchengemeinde einführen lassen
  • vorheriges Überprüfen der Mikrofone und der Akustik durch den/die KirchenmusikerIn
  • Bewegungsabläufe im Kirchenraum überprüfen lassen und überflüssige Floskeln abstellen
  • Gefühl für eine würdige Bewegung im Altarraum entwickeln (Vorbildfunktion)

Evelyn Hartmann,
ehemals Kantorin in Dannenberg
und in der Vikarsausbildung tätig