Foto: Winfried Eberhardt

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Foto: Winfried Eberhardt

 

Erfahrungen

Wie erleben Teilnehmende den Kurs?

Manchmal wird es netter als man denkt – mein Weg zur Prädikantin

Weiterbildungskurs 13
Weiterbildungskurs 13 in Loccum

Prädikantin – nein das habe ich nicht nötig. Ich bin schließlich Diakonin und habe in dieser Funktion bereits unzählige Gottesdienste vorbereitet mit entwickelt und durchgeführt. Warum brauche ich jetzt noch einen Schein für etwas, was ich sowieso schon kann? Mein ganzes Berufsleben lang hat es mich immer mal wieder gewurmt, dass ich nicht ganz selbstverständlich qua Amt das Abendmahl austeilen und predigen darf. Außerdem wusste ich von Kolleginnen, dass der Weg zur Prädikantin durchaus auch Arbeit bedeutet, die ich mir eigentlich ersparen wollte. Dennoch bin ich trotz meiner Vorbehalte beim Prädikantenkurs gelandet.

Als ich mich auf den Weg zur ersten Einheit im April nach Loccum machte, habe ich gedacht, wenn es ganz furchtbar wird, kannst du ja immer noch aufhören. Nach der ersten Stunde war dieser Gedanke nicht mehr vorhanden. Schon die Einstiegsfrage: “Warum mögen Sie Gottesdienste“ faszinierte mich und ich begriff, ich war bei diesem Kurs, weil es mir Spaß macht, mich mit allen Fragen, die mit dem Gottesdienst zu tun haben, auseinander zu setzen. In mir wuchs die Erkenntnis, dass ich am richtigen Platz war und die Auszeit vom Alltag mir gut tun würde. Der Kurs war für mich von Anfang an ein Gewinn. Ich entdeckte im letzten Jahr, dass das Predigtschreiben sehr viel mit mir selbst zu tun hat und deshalb für mich bereichernd ist. Ich fühlte mich in der Gruppe von netten Kolleginnen und Kollegen sehr wohl, genoss das schöne Ambiente und das gute Essen in Loccum. Beiden Referenten gelang es die eigene Begeisterung den Gottesdienst betreffend, auf die Gruppe überspringen zu lassen. Mir wurde im Verlauf des Kurses deutlich, dass ich bei Weitem noch nicht alles kann, was den Gottesdienst betrifft, aber auch das es lernbar ist. Als Fazit der drei Kurse kann ich sagen: Sie waren ein High - Light meines letzten Jahres, ja sie haben mein Jahr strukturiert, sie waren eine gute Konstante, in einer sehr bewegten, durchaus nicht immer einfachen Zeit.

Die wichtigste Erfahrung, die ich mitnehme, ist die Erfahrung der eigenen Wandlung. Meinen Ärger darüber, dass ich diesen Kurs machen muss, wandelte sich in Freude darüber, was mir in diesen drei Kursen geschenkt wurde. Die Auseinandersetzung mit biblischen Texten und das Schreiben einer eigenen Predigt, haben meinen eigenen Glauben genährt und bereichert. Die Begegnung mit Menschen, die sich auf ihre Art mit dem gleichen Text auseinandersetzen, hat mir gut getan und mir gezeigt, wie unglaublich spannend es sein kann sich mit biblischen Texten zu beschäftigen und was diese Auseinandersetzung mit meinem Leben zu tun hat. Jetzt habe ich meinen ersten eigenen Gottesdienst hinter mir, der Zweite wird gerade vorbereitet und neben der Aufregung, entdecke ich auch hier, die Faszination des Gottesdienstes. Also Kolleginnen und Kollegen meldet Euch an, es lohnt sich!

Maike Franklin, Diakonin in Hannover
 

Predigen - ein Herzensanliegen

Predigen ist mir ein Herzensanliegen - gerade deshalb muss sich der Kopf gut darauf vorbereiten. Der Kurs für PrädikantInnen gab mir die Möglichkeit, meine persönlichen und theologischen Vorstellungen zu Gottesdienst, Predigt und Abendmahl zu reflektieren. Die vielen praktischen Übungen mit ausgiebigem Feedback des Kurses sind für mich ein wertvoller Begleiter in meiner gottesdienstlichen Praxis geworden - ich höre sie "mit", wenn ich Gottesdienste leite. Ich habe viele Ideen für die Gestaltung von Predigten sammeln können und empfinde den Kurs als sehr bereichernd.

Diakonin Sarina Salewski, Kurs 13

Im Wechselschritt zum Prädikantendienst - ein Erfahrungsbericht aus dem Weiterbildungskurs 2013

Diakon Siegfried Rupnow
Diakon Siegried Rupnow

Ende des Jahres 2012 traf ich eine der besten Fortbildungsentscheidungen der letzten Jahre: Ich meldete mich zum Prädikantenkurs für Diakoninnen und Diakone beim Lektorendienst in Hildesheim  an. Mitte der 70iger Jahre ausgebildet und über 30 Jahre in zielgruppenorientierten Spezialfeldern der Kirche beruflich tätig, war ich gespannt darauf, was sich in der Predigtlehre entwickelt und in der gottesdienstlichen Praxis verändert hatte. Und ich war neugierig darauf, wie ich mit dem, was sich entwickelt hatte zurecht kommen würde. Und natürlich auch, wie es zu meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung passen würde.

Um es vorweg zu sagen: Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und ich war von Anfang an angenehm überrascht. Die Kursleitung verstand es durchweg, eine ausgesprochen gute Balance zwischen dem, was wir an Erfahrung und Kompetenz mitbrachten, und dem was an neuem Lerninhalt zu vermitteln war, herzustellen. Ich erlebte eine äußerst wertschätzende Lernatmosphäre, was auch die Motivation in der Gruppe deutlich positiv beeinflusste. Alle hatten Lust und Spaß, sich auf das vielschichtige Lernangebot einzulassen. Dies lag sicherlich auch daran, jedenfalls was mich betrifft, dass schnell deutlich wurde, dass Lernprozesse auf verschiedenen Ebenen initiiert wurden.
 
Einiges kann ich hier exemplarisch benennen, die Liste ist sicher nicht vollzählig:
So war es für mich spannend zu sehen, wie sich die Pluralität der exegetischen und systematisch- theologischen Ansätze, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, z.B. Politische Theologie, Feministische Theologie, tiefenpsychologische Exegese, um nur einige zu nennen,  in der Predigtlehre ausgewirkt hat. Als noch "Skopussuchend ausgebildet", entfaltete sich vor mir eine für mich neue Weite im Umgang mit dem biblischen Text. Biblische Texte, die in ihrem Bedeutungshorizont mehrdimensional sind, dürfen auch auf verschiedenen Ebenen ausgelegt werden. Es kommt darauf an, dies zu heben und wirksam werden zu lassen und natürlich einen roten Faden erkennbar zu machen, sich also hier auch zu entscheiden. In diese Freiheit und Verantwortung ist der oder die Predigende auch gestellt. Im Grunde habe ich dies, da wo es von mir gefordert war, natürlich so praktiziert. Es war mir aber eine wichtige Vergewisserung, dass diese Auslegungspraxis so auch gefordert ist.
Dass Elemente der Kunst, vor allem der Literatur (Lyrik und Prosatexte), aber auch der bildenden und darstellenden Kunst, nicht nur einbezogen werden dürfen, sondern auch sollen, darin fühle ich mich bestärkt und dadurch auch bereichert. Anstrengend aber heilsam war es für mich, und es bleibt für mich eine Aufgabe, die Kunst der Reduktion zu lernen und zu üben. Kurze und präzise Texte zu schreiben ist schwerer, als sich schreibend auszubreiten. Es wurde sehr viel Wert auf den Umgang mit Sprache gelegt - hier wurde geübt, analysiert und ausprobiert. Dabei wurde methodisch immer auch die Kompetenz der Gruppe genutzt, neben den meistens hilfreichen und weiterführend ergänzenden Einlassungen der beiden Kursleitenden. Sie merken jetzt gerade eine Schwäche von mir - ich erkenne sie immerhin - nämlich die "Aneinanderreiheritis" und die "Verschachtelerritis". Das lasse ich mal so stehen.
 
Nicht zu vergessen sind die praktischen Übungen in liturgischer Präsenz und Predigtpräsenz. Jede und jeder musste sich zeigen. Das war hilfreich und wurde auch konsequent umgesetzt. Die Rückmeldekultur war so wertschätzend, bei aller Kritik und Genauigkeit, dass ich für mich, der ich als landeskirchlicher Referent durchaus öfter vor größeren Gruppen oder Foren auftreten muss, noch einmal eine deutliche Weiterentwicklung feststellen kann. Es ist aus meiner Sicht gut, dass mittlerweile auf das Thema der Präsentation im Bereich des gottesdienstlichen Handelns sehr viel Wert gelegt wird. Das kannte ich so aus meiner früheren Ausbildung nicht. Natürlich habe ich im Laufe meiner beruflichen Entwicklung wahrgenommen, dass sich da etwas verändert hat, das ist das eine. Sich dem nun konkret und praktisch auszusetzen ist das andere. Mich hat auch dies ungemein bereichert.
 
Last but not least sei auch noch auf das liturgische Singen hingewiesen. Da ich gerne singe, auch in Chören, war es eine wunderbare Erfahrung zu erleben, wie sehr auch ein guter liturgischer Gesang den emotionalen Erfahrungsraum Gottesdienst verändert. Damit soll nichts gegen Popularmusik im Gottesdienst gesagt sein. Sie hat ihren notwendigen Ort. Mir selbst war es wichtig zu entdecken, dass ein guter liturgischer Gesang, wenn er beherrscht wird, kein   "Traditionsschnickschnack" ist, sondern dass wir hier auch einen Schatz in Händen haben. Es ist nichts unanständiges, wenn Besucherinnen und Besucher von einem Gottesdienst auch so etwas wie "Erbauung" und seelische und geistliche Kraft für das Bestehen des Alltages erwarten und dazu können wir beitragen.
 
Ich will es bei diesen "Spots" bewenden lassen. Es würde sich noch viel mehr sagen lassen. Ich kann es meinen Berufskolleginnen und -kollegen, gerade auch den älteren, wirklich nachdrücklich empfehlen, und tue dies hiermit auch, sich auf diese Prädikantenkurse einzulassen und daran teilzunehmen. Ich habe davon für meine gesamte berufliche Tätigkeit, in ihren religionspädagogischen Anteilen, im Haus kirchlicher Dienste sehr profitiert. Mit Blick auf meinen Kirchenkreis bin ich zufrieden damit, dass ich mich für den "ehrenamtlichen Prädikantendienst" entschieden habe, und auch damit, mich in dem Rahmen und in den Strukturen zu bewegen, die für Ehrenamtliche vorgesehen sind. Das fällt mir natürlich leichter als anderen, die in Regionen und Gemeinden tätig sind und die ihre Rolle zwischen Pfarramt und Ehrenamt noch in anderer Weise klären mussten und müssen. Es war hilfreich, dass die Beauftragte für Diakoninnen und Diakone eine Lerneinheit anwesend war, um darauf einen genaueren Blick werfen zu können.
 
Siegfried Rupnow, Diplomreligionspädagoge und Diakon, Referent für Besuchsdienstarbeit im Haus kirchlicher Dienste