Morgenandacht2

Verkündigungsdienst und Kirchenordnung

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Foto: Stephan Eimterbäumer

Der Dienst der Verkündigung − das Predigtamt − ist nach reformatorischem Verständnis der Gemeinde anvertraut. (Amtsträger ist die Gemeinde! »Dass eine christliche Versammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen, Grund und Ursach aus der Schrift. 1523) Die Gemeinde entscheidet nach den geltenden Bestimmungen, wer zum Dienst der Verkündigung berufen wird (rite vocatus). So sagen es die Artikel 14 und 5 der Confessio Augustana [vgl. EG 808].

Entsprechend heißt es in der Verfassung unserer Landeskirche in Artikel 1: »Für die Erhaltung und Förderung der rechten Verkündigung des Wortes Gottes und der stiftungsgemäßen Darreichung der Sakramente sind die Landeskirche und die Kirchengemeinden mit all ihren Gliedern, Amtsträgern und Organen verantwortlich (1) … Zur Wahrnehmung dieser Verantwortung werden Kirchenglieder ehrenamtlich oder beruflich zum Dienst in der Kirche berufen … (3)« Abschließend heißt es dann: »Ehrenamtlicher und beruflicher Dienst sind in einer Dienstgemeinschaft aufeinander bezogen. Beide dienen mit gleichem Rang auf je eigene Weise dem Aufbau der Gemeinde Jesu Christi. (4)«

Die Kirchengemeindeordnung nimmt diese Spur explizit auf, wenn es dort heißt: »Unbeschadet der Verpflichtung jedes Kirchengliedes, das Evangelium zu bezeugen, sollen die öffentliche Verkündigung und die Sakramentsverwaltung in der Landeskirche und in den Kirchengemeinden nur mit rechtmäßigem Auftrag geschehen (Amt der Verkündigung).« § 16 KGO.

Der Dienst der Verkündigung ist konstitutiv für die Kirche!

Lektorinnen und Prädikanten haben teil an diesem Dienst und gehören insofern der Dienstgemeinschaft derer an, die verkündigen. Lektoren und Prädikantinnen nehmen ein öffentliches Amt wahr. Sie sind für diese Aufgabe gezielt ausgebildet, mit Bedacht beauftragt und unter Gebet, Handauflegung und Segen eingeführt worden (s. Einführungsagenden Agende IV, S.93 und VELKD, S. 7). Das Kirchengesetz über die Beauftragung von Gemeindegliedern mit Aufgaben der öffentlichen Verkündigung − das Lektoren und Prädikantengesetz 450 − regelt die rechtlichen Dinge im einzelnen. Dazu gehören Verfahrensfragen, Fragen der Aufsicht und Fürsorge, Umfang und Dauer und Wirkungsbereich des Dienstes (pro loco et tempore), Fortbildungspflichten, Erstattungen usw. sowie Ordnungsfragen im Blick auf »die Förderung des Dienstes der mit den Aufgaben der öffentlichen Verkündigung beauftragten Gemeindeglieder.« (450-1).

In den genannten rechtlichen Rahmenbedingungen spiegelt sich ein bestimmtes Kirchenverständnis wider, sind Grundentscheidungen des Gemeindelebens berührt und wird versucht, eine differenzierte Dienstgemeinschaft der in der öffentlichen Verkündigung Tätigen zu ordnen.

Festzuhalten bleibt, dass das Predigtamt nach CA V prinzipiell auch Ehrenamtlichen zugänglich ist, die kein Theologiestudium absolviert haben.