Morgenandacht2

Die Bedeutung des Mentorates als Teil der Ausbildung

Nach Abschluss eines Lektoren- oder Prädikantenkurses ist die Ausbildung noch nicht beendet. Das sich an die Ausbildungskurse anschließende Mentorat ist obligatorischer und integraler Bestandteil der Ausbildung. 

Welche Aufgabe soll ein Mentorat im Rahmen der Ausbildung erfüllen?

Das Mentorat soll dazu dienen, die liturgischen und homiletischen Fähigkeiten der Auszubildenden zu fördern.
Angehende Lektorinnen und Prädikanten sollen im Rahmen des Mentorates lernen, ihre liturgischen und homiletischen Entscheidungen kritisch zu reflektieren. Das betrifft das liturgische Agieren, den roten Faden eines Gottesdienstes, die Liedauswahl, die Zusammenarbeit mit den sonst am Gottesdienst Beteiligten, die Sprache in Gebeten und Predigt, die Kunst, Texte zu Gehör zu bringen sowie Anlage, Plausibilität und Charakter des Vortrags der Predigt, um nur einige Gesichtspunkte zu nennen.

Welche Anforderungen sind an ein Mentorat zu stellen?

Das Mentorat sollte den Charakter einer professionellen Begleitung von Amateuren, d.h. von »Liebhabern« von Gottesdienst und Predigt, durch geeignete Pastorinnen oder Pastoren haben. Mit klaren Verabredungen, einer guten Kommunikation und mit der notwendigen Transparenz, was Erwartungen und Kompetenzen betrifft. 

Wer ist als Mentorin oder Mentor geeignet?

Grundsätzlich scheint mir wichtig, dass potentielle Mentorinnen oder Mentoren bereit sind, für die Aufgabe des Mentorates Zeit einzusetzen und auch tatsächlich in der Lage sind, diese Zeit zu geben. Mit der dafür nötigen Geistesgegenwart. Und der Fähigkeit, mit Liebhabern zu arbeiten. Mentorin oder Mentor bei Lektorinnen und Lektoren sind die jeweils örtlichen und zuständigen Gemeindepastorinnen oder -pastoren. Mentoren von Prädikantinnen und Prädikaten werden Pastorinnen oder Pastoren sein, die sich in der Vergangenheit im Rahmen der Vikariatsausbildung bewährt haben oder als »Gottesdienstcoach« im Kirchenkreis tätig sind. Als Mentorin oder Mentor wären die Lektorenbeauftragten der Kirchenkreise oder deren Stellvertretende denkbar, wenn sie denn dazu bereit sind. Auch jede andere Gemeindepastorin oder jeder andere Gemeindepastor – in der Regel deszuständigen Kirchenkreises – mit der notwendigen Eignung sind potentielle Ansprechpartner. Im Einzelfall sind auch Personen aus dem übergemeindlichen Pfarrdienst oder dem Schulbereich denkbar. Auch geeignete Ruheständler bis zur Altersgrenze von 68-70 Jahren könnten prinzipiell angefragt werden.

Wann beginnt das Mentorat?

Das Mentorat beginnt, wenn die Ausbildung der Lektorinnen und Prädikanten in den Kursteilen beendet, aber noch nicht abgeschlossen ist. In Zukunft wird angestrebt, das Mentorat als Unterstützungs- und Begleitungsstruktur schon von Beginn der Prädikantenkurse an sinnvoll in die Ausbildung zu integrieren. Dafür gibt es gute Gründe: seelsorgliche Notwendigkeiten, die erforderliche fachliche Begleitung u.a.m.
Wer wählt geeignete Mentorinnen bzw. Mentoren bei angehenden Prädikanten aus?
Im Blick auf diese wichtige Entscheidung bewährt sich folgendes Verfahren:
Die angehende Prädikantin oder der angehende Prädikant bittet bei der Superintendentur ihres/seines Kirchenkreises um einen Gesprächstermin mit Superintendentin/Superintendent und Kirchenkreisbeauftragte/ n für die Lektoren- und Prädikantenarbeit.

Im Rahmen dieser Dreier-Runde (ggf. als Vierer-Runde mit Sprecherin oder Sprecher der Lektoren- und Prädikantenarbeit im Kirchenkreis) wird gemeinsam und erstmals über mögliche Personen gesprochen, die die Aufgabe als Mentorin oder Mentor übernehmen könnten.  Es ist nicht geraten, im Vorfeld dieses Erstgespräches von welcher Seite auch immer auf als geeignet erscheinende Personen zuzugehen und Voranfragen zu starten. Erst im Rahmen der Begegnung von Prädikant/ in, Superintendent/in und Kirchenkreisbeauftragte/ r sollten Namen möglicher Mentoren ins Gespräch gebracht werden. Wenn im Dreier-Gespräch mehrere geeignet erscheinende Personen genannt werden, sollte eine Prioritätenentscheidung gefällt werden, wer durch den Superintendenten oder die/den Kirchenkreisbeauftragten zunächst angefragt werden wird und wer bei Absage als nächstes angesprochen werden sollte.

Telefonische Klärungen im Blick auf die Mentorats-Begleitung unter Verzicht auf ein Dreier-Gespräch sind nicht ratsam.

Volker Dobers